

Krefeld. Während viele Städte im Rheinland um innovative Köpfe buhlen, gelingt Krefeld zunehmend eine eigene Handschrift. Zwei Start-ups stechen dabei aktuell heraus: FiberSense Analytics, Spezialist für digitale Textilsensorik, und UrbanHeat Solutions, ein junges Unternehmen, das modulare Wärmespeicher entwickelt, um öffentliche Gebäude effizienter zu betreiben. Zusammen stehen sie exemplarisch für die Richtung, die die Krefelder Wirtschaftspolitik einschlagen will: industrielle Wurzeln nutzen, technologische Lücken besetzen, regionale Wertschöpfung stärken.
Textiltechnologie neu gedachtFiberSense Analytics hat sich in der Weststadt einen Namen gemacht. Das Unternehmen liefert hochpräzise Messsysteme für textile Produktionslinien und sorgt damit für weniger Ausschuss und geringeren Ressourcenverbrauch. Die jüngste Investition in eine Testhalle zeigt, dass der Standort Krefeld für das Start-up langfristig gesetzt ist. Die Nähe zu Maschinenbauern und Anwendungspartnern im Niederrhein-Gebiet wirkt wie ein natürlicher Katalysator: kurze Wege, schnelle Prototypen, direkter Austausch.Die Wirtschaftsförderung bestätigt, dass genau diese Mischung aus Tradition und technischer Spezialisierung das Profil der Stadt schärft. „Wir sehen hier kein kurzfristiges Phänomen, sondern den Beginn einer strukturellen Erneuerung“, heißt es aus dem Rathaus.
Neue Energie für alte GebäudeParallel dazu wächst UrbanHeat Solutions im nördlichen Innenstadtbereich. Das Start-up entwickelt Wärmespeichermodule auf Salzbasis, die sich besonders für Schulen, Turnhallen oder Verwaltungsgebäude eignen. Der Ansatz ist pragmatisch: Energie, die tagsüber günstig erzeugt wird, bleibt über viele Stunden nutzbar und entlastet Heizsysteme, die ansonsten auf Spitzenlast fahren müssen.Seit einem Pilotprojekt mit der Stadt Krefeld im vergangenen Winter liegt eine belastbare Datenbasis vor. Die Module senkten nicht nur die Betriebskosten um rund 18 Prozent, sondern stabilisierten auch das Raumklima. Für eine kommunale Infrastruktur, die unter Sanierungsdruck steht, ist das ein relevanter Baustein. Die Landesförderung hat UrbanHeat inzwischen ebenfalls auf dem Radar – zusätzliche Mittel sind eingeplant.
Politik und Verwaltung ziehen nachDie dynamische Lage zwingt die Stadt, ihre Rahmenbedingungen anzupassen. Der Ausbau von Gewerbeflächen in der Nähe des Hauptbahnhofs, vereinfachte Verfahren für Pilotprojekte und neue Förderlinien gehören zu den Maßnahmen, die bis Ende des Jahres umgesetzt werden sollen. Die Devise: keine hektische Start-up-Romantik, sondern solide Schritte, wie sie in industriell geprägten Städten seit jeher funktionieren.Auch die Hochschule Niederrhein nimmt eine aktivere Rolle ein. Neben Textil- und Ingenieurfakultäten sollen künftig stärkere Verbindungen zu Informatik und Nachhaltigkeitsforschung entstehen. Für Start-ups bedeutet das bessere Rekrutierungsmöglichkeiten und mehr Austausch.
Ein Standort im ÜbergangTrotz des Schwungs bleibt die Entwicklung fragil. Beide Unternehmen zeigen, wie viel Potenzial in Krefeld steckt – aber auch, dass Wachstum nicht von selbst kommt. Kosten, Fachkräftemangel, Bürokratie: Die Herausforderungen sind bekannt. Der Unterschied liegt darin, dass junge Firmen wie FiberSense und UrbanHeat sie nicht als Hürde interpretieren, sondern als Teil des Weges.Für 2026 plant die Stadt ein neues Innovationsforum im Kaiser-Wilhelm-Museum. Dort sollen Gründer, Mittelständler und Forschungseinrichtungen zusammenkommen. Ziel ist es, Krefeld nicht nur als Produktionsstandort zu positionieren, sondern als Ort, an dem neue industrielle Lösungen entstehen.




